Warum sind Raucher eher anfällig für Infekte?

Verfasst von der HILFEFÜRMICH-Redaktion und aktualisiert am 02.09.2020

Rauchen ist für eine Reihe von Gesundheitsschäden verantwortlich. Der regelmäßige Griff zur Zigarette begünstigt u. a. auch das Risiko für Infektionskrankheiten.

Zellen des angeborenen Immunsystems sind hauptsächlich damit beschäftigt, Krankheitserreger (Pathogene) mithilfe bestimmter Rezeptoren zunächst zu erkennen, um sie dann vernichten zu können, indem die fremden Bakterienzellen von spezialisierten Immunzellen sozusagen gefressen werden. Immunzellen, die jedoch während ihrer Entwicklung Nikotin ausgesetzt waren, können Krankheitserreger schlechter erkennen und bekämpfen. Tabakrauch verringert nämlich die Anzahl der Rezeptoren, die die Zellen des Immunsystems benötigen, um die der drohenden Infektion zugrunde liegenden Bakterien zu erkennen und abzutöten. Tabakrauch beeinflusst auch auf die erworbene Immunantwort auf negative Weise. Er stört die Produktion von Antikörpern, durch die die Immunzellen einen Krankheitserreger als solchen identifizieren können. Die Abwehrkräfte von Rauchern sind demnach häufig geschwächt.

Rauchen ist insbesondere mit einem höheren Risiko für Infektionen der Atemwege verbunden. Denn die Mikroflora des Nasen-Rachen-Raum bei Rauchern hat verglichen mit Nichtrauchern weniger natürlich vorkommende Bakterien, die die Ausbreitung schädlicher Krankheitserreger verhindern. Dadurch kann eine Besiedlung mit potenziell schädlichen Bakterien hervorgerufen werden.

Je nach Bakterienart kann es zu unterschiedlichen Erkrankungen kommen. Zu den Infektionen, die durch Rauchen begünstigt werden, gehören u. a.:

  • Atemwegsinfektionen, z. B. Bronchitis
  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Legionärskrankheit
  • Tuberkulose
  • Hirnhautentzündung
  • Mittelohrentzündung
  • Parodontitis
  • Helicobacter-pylori-Infektionen, die den Magen betreffen
  • Geschlechtskrankheiten, z. B. bakterielle Vaginose, Chlamydien-Infektionen und Gonorrhoe

Mit der Anzahl der täglich gerauchten Zigaretten steigt auch das jeweilige Risiko zu erkranken. So erhöht sich beispielsweise die Wahrscheinlichkeit einer Pneumokokkeninfektion bereits um das Doppelte, wenn zwischen 1 und 14 Zigaretten am Tag geraucht werden. Bei starken Rauchern, die täglich mehr als 25 Zigaretten konsumieren, kann das Risiko sogar über 5‑mal so hoch sein. Durch das beeinträchtigte Immunsystem führen Infektionen, wie beispielsweise Erkältungen und Lungenentzündungen, bei Rauchern häufiger zum Tod als bei Nichtrauchern.

Menschen mit häufiger Passivrauchbelastung, vor allem Kinder, sind – ebenso wie aktive Raucher – anfälliger für Infektionen.

Ein konsequenter Verzicht auf Zigaretten senkt die Risiken für die genannten Erkrankungen. Nach dem Rauchstopp kann sich der Körper regenerieren und das Immunsystem stärken.

Wissenswertes zu weiteren mit Rauchen im Zusammenhang stehenden Infektionskrankheiten finden Sie in den Informationsblättern „Rauchen und bakterielle Infektionen Teil I“ und „Rauchen und bakterielle Infektionen Teil II“. Beide Faktensammlungen sind vom Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz) veröffentlicht worden.